Geschichte und Hintergründe

Geschichte der Pfadfinder und ausgewählte Meilensteine der DPSG

Es gibt über 40 Millionen Pfadfinder, Kinder, Jugendliche und Erwachsene, männlich und weiblich, in über 200 Länder und Gebieten. Circa 500 Millionen Menschen, einschließlich Prominenter in allen erdenklichen Feldern, waren Pfadfinder.

 Die Anfänge: 1907

Alles begann mit 22 Jungs aus verschiedensten sozialen Schichten der damals stark ausgeprägten britischen Klassengesellschaft und einem Zeltlager auf Brownsea Island (Großbritannien). Lord Robert Baden Powell, Gründer der Weltpfadfinderbewegung probiert dort erstmals sein Konzept einer Pädagogik des Erlebens und der Verantwortung für den Einzelnen und die Gruppe aus. Das Lager ist ein voller Erfolg.

1908

Baden Powell (BP=BiePie) veröffentlicht sein Buch »Scouting for Boys«, das sofort reißenden Absatz findet. Bis heute wurde es in zahlreiche Sprachen übersetzt und es wurden über 100 Millionen Exemplare verkauft, somit ist es eines der meist-verkauften Bücher aller Zeiten. Zu seiner Überraschung organisierten sich Jungen in ganz Britannien in Eigeninitiative in Pfadfindergruppen, die sich aufgrund des Buchtitels: „Boy Scouts“ nannten.

Bereits im September des gleichen Jahres eröffnete er ein Büro, um die neue Bewegung zu koordinieren und organisieren. Am Ende des Jahres hatte sich die Pfadfinderei schon bis Neuseeland und Kanada ausgebreitet.

 1909

BP wird zum Ritter geschlagen und in Indien gründen sich die ersten Gruppen. Der Pfadfindergedanke schwappt über den Kanal auch nach Deutschland: Der Stabsarzt Dr. Alexander Lion „erfindet“ den Begriff Pfadfinder für das englische Wort „Scout“ und verbindet in seiner Konzeption deutsche Vorstellungen von Jugendarbeit mit den Ideen Baden-Powells.

1910

Mit 53 Jahren quittiert BP, auf Geheiß von König Edward VII, seinen Dienst bei der Armee. Der König meint, dass er dem Land mehr dient, wenn er sich ganz der Pfadfinder-Bewegung widmen kann.

Das Girl Guide Program beginnt. Jetzt sind endlich auch die Mädels dabei.

1912

BPs Frau Olave wird Chief Guide der Pfadfinderinnen.

1914

Der Beginn des 1. Weltkrieges hätten das Ende der Bewegung bedeuten können, aber die Pfadfinder-Ausbildung bewies sich als äußerst effektiv und als die erwachsenen Leiter in den Krieg ziehen mussten, übernahmen die jungen Trupp-Leiter die Leitung der Gruppen. In Deutschland gibt es bereit 110.000 Pfadfinder, die allerdings wegen der unterschiedlichen Interpretation des Inhalts der pfadfinderischen Erziehung in zahlreiche Gruppierungen zersplittert sind. Nach dem Krieg gewinnt die Jugendbewegung an Bedeutung und beeinflusst die Inhalte der Pfadfinderbewegung: Einfaches Leben, Naturbewusstsein, Fahrt und Lager, eigenständiges Denken und Handeln – diese Prinzipien gewinnen an Stellenwert.

1920

Das erste World Scout Jamboree (Weltpfadfindertreffen) mit 8000 Teilnehmern findet in London statt. Hier zeigt sich, dass junge Leute aus verschiedensten Nationen zusammen kommen und gemeinsame Interessen und Ideale teilen können. Auf dem Jamboree wird die erste Welt-Pfadfinder-Konferenz mit 33 nationalen Pfadfinderorganisationen abgehalten.

1922

Es gibt mittlerweile über eine Million Pfadfinder und die Weltpfadfinderbewegung (World Organization of the Scout Movement =WOSM) wird gegründet.

Die Weltkriege

Zwischen den Weltkriegen blühte die Bewegung in allen Teilen der Welt, außer in totalitären Staaten, wo sie verboten war. Pfadfinden ist freiwillig und basiert auf demokratischen Prinzipien.

Während des zweiten Weltkriegs, übernahmen die Pfadfinder viele Dienste, als Boten, Feuerwächter, Sanitäter, Bergungshelfer usw. In besetzen und faschistischen Ländern gingen die Pfadfinder in den Untergrund und leisteten, so gut es ging, Widerstand. Nach Ende des Krieges fand man heraus, dass in einigen dieser Länder, die Anzahl an Pfadfinder sogar gestiegen war.

1934

Die Nationalsozialisten verbieten das Tragen von Kluft, Banner und Abzeichen. In den folgenden Jahren nimmt der Druck auf die Mitglieder des Verbandes zu, es kommt zu schweren Auseinandersetzungen mit der Hitlerjugend.

1936

Die Freiheit der Gruppen wird stark eingeschränkt. Die Georgspfadfinder brauchen viel Mut, wenn sie sich in der Öffentlichkeit jetzt noch zu ihrem Verband bekennen, so dass die Schar derer, die offen Mitglieder der DPSG bleiben, kleiner wird.

1938

Der katholische Jungmännerverband und die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg werden aufgelöst und verboten. Dennoch nehmen immer wieder einzelne Mitglieder Bedrohung und Verfolgung auf sich, weil sie am pfadfinderischen Leben als eigenständiger Alternative gegen die Repressionen des Nationalsozialismus festhalten. Ihnen ist es zu verdanken, dass auch in dieser Zeit ein jugendkulturelles Bekenntnis gelebt wird. Als „Gemeinschaft Sankt Georg“ wirken Pfadfinder im Untergrund weiter. Manche wagen sogar den Kontakt zu ausländischen Pfadfindern und legen auf diese Weise den Grundstein für spätere Verständigung.

1950

Die DPSG wird über den Ring deutscher Pfadfinderverbände Mitglied der Internationalen Pfadfinderkonferenz (WOSM).Rund 1.000 Georgspfadfinder pilgern nach Rom.

1956

Aufruf der Georgsritter (heute Rover) zu einem Sozialwerk: In Westernohe im Westerwald entsteht in vielen Stunden Eigenarbeit ein Zeltlagerplatz und Ferienheim für behinderte Menschen – das heutige Bundeszentrum der DPSG.

Die 60er, 70er und 80er

Viele Länder sind in dieser Zeit unabhängig geworden. Die Zahl der Pfadfinder in Entwicklungsländern nimmt stark zu. Besonders dort setzen die Pfadfinder ihren Schwerpunkt auf Kindesgesundheit, bezahlbaren Wohnraum, Alphabetisierung, Landwirtschaft, Berufsvorbereitung, usw.

Drogenprävention, grundlegende Alltagsfertigkeiten, Integration und Inklusion von Behinderten, Umweltschutz und -bildung und Friedenserziehung werden die Kernangelegenheiten der Pfadfinder überall auf der Welt

1961

Aufruf zur ersten Jahresaktion: „Flinke Hände, flinke Füße schaffen ein Werk für körperbehinderte Jugendliche“. Im Verlauf dieser Aktion kommen mehr als 250.000 Mark zusammen. Die Jahresaktionen mit wechselnden Schwerpunkten sind bis heute wichtiger Bestandteil der Arbeit der DPSG.

1971

Offiziell können Mädchen und Frauen nun Mitglieder der DPSG werden. Das Pfadfindergesetz von 1930 wird ersetzt und weitergeführt durch die „Grundlinien unserer Lebensauffassung“: Leben in Hoffnung, Leben in Freiheit, Leben in Wahrheit, Leben in tätiger Solidarität. Inhaltlich orientiert sich die DPSG weg vom Waldläufertum hin zu einer Gruppenpädagogik, in der Kooperation und Verantwortung durch Erfahrung und Erleben gelernt werden sollen. Sie schwenkt so auf einen Weg ein, der direkt auf die Vorstellungen Baden-Powells zurückgeht.

 1990

Unter dem Motto „Wir haben Platz im Boot“ ruft die DPSG zur jährlichen Solidaritätsaktion auf und wendet sich damit gegen die Verschärfung der Asyldebatte.

1993

Kindergipfel in Westernohe: Mehr als 1.000 Kinder zwischen sieben und zehn Jahren aus dem gesamten Bundesgebiet fordern „eine Welt, die uns gefällt“.

1995

Die 57. Bundesversammlung beschließt die Einführung der Kindermitbestimmung auf Stammesebene. 20 rwandische Pfadfinderinnen und Pfadfinder werden aus dem Bürgerkriegsland ausgeflogen und von der DPSG aufgenommen. Im Verlauf der „Solidaritätsaktion Rwanda“ kommen 700.000 Mark zugunsten des kriegsgeschüttelten Landes zusammen. An Pfingsten kommt es während eines Zeltlagers im Bundeszentrum Westernohe zu einem Unglück während einer Tauziehaktion. Zwei Wölflinge sterben an den Folgen des Unglücks, es gibt zahlreiche weitere Verletzte.

1996

Die DPSG startet die Kampagne „Tu es jetzt!“ zum politischen Handeln, an der sich zahlreiche Gruppen vor Ort beteiligen. Gesellschaftspolitisches Engagement in sechs Themenbereichen ist Ziel der Langzeitaktion.

1999

In der Aktion WölflingsWirbel setzen sich Kinder aus ganz Deutschland für mehr Kinderfreundlichkeit in ihrem Umfeld ein. Die 8- bis 10-Jährigen vergeben Noten für Spielplätze, malen den tristen Schulhof an, reparieren marode Fahrradständer am Bahnhof und vieles mehr. Besuche bei Kommunalpolitikern und die Zusammenarbeit mit der Lokalpresse führen in vielen Orten zu Verbesserungen. Die Aktion gipfelt in einem Besuch bei Bundesfamilienministerin Christine Bergmann.

Rund 1000 Pfadfinderinnen und Pfadfinder eröffnen in Koblenz die Jahresaktion „Movida Bolivia“. Sie kommt in diesem Jahr dem bolivianischen Pfadfinderverband zugute, der eine Schulung für Lehrer ins Leben rufen will. Gruppen in der ganzen Bundesrepublik sammeln anschließend Geld, um ihre Partner in Südamerika zu unterstützen.

2000

Mit der Jahresaktion „Augen auf! Stoppt Diskriminieruung!“ setzt sich die DPSG gegen die Diskriminierung von Minderheiten ein. Im Rahmen der Jahresaktion startet im Spätsommer die Kampagne „Stoppt Rechts – Pfadfinderinnen und Pfadfinder gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt“, die mit einem aussagekräftigen Logo und überall auftauchenden Aufklebern auf das Engagement der Pfadfinder aufmerksam macht.

2002

Gemeinsam mit ihren katholischen Partnerverbänden in Israel und Palästina setzt sich die DPSG bei ihrer Jahresaktion „Pfad zum Frieden“ für Frieden und Gerechtigkeit im Nahen Osten ein.

2004

Bei der Jahresaktion „Kira Rwanda – Liebe das Leben“ unterstützt die DPSG ihre Partner in Rwanda. Die Pfadfinder dort engagieren sich stark in der Aids-Prävention. Im folgenden Jahr richtet sich der Blick auf Gesundheit in Deutschland und Rwanda.

2006

In der Jahresaktion „Geschenke für den Frieden“ bereitet sich auch die DPSG auf das 100-jährige Bestehen der Weltpfadfinderbewegung vor. Weltweit schauen Pfadfinderinnen und Pfadfinder drauf, wie sich im Großen und Kleinen für den Frieden einsetzen können.

2007

Die Pfadfinderei feiert 100-jähriges Jubiläum. Was mit 22 Jungs auf einer kleine Insel in England angefangen hat ist heute eine wachsende, weltweite Bewegung mit Mitgliedern in fast jedem Land. Durch die einmalige Mischung aus Abenteuer, Bildung und Spaß schafft es die Pfadfinderei sich immer wieder neu zu erfinden und sich den Veränderungen der Welt und Menschen auf dem ganzen Erball anzupassen. Dadurch bleibt sie eine Inspiration und eine Orientierung für junge Leute verantwortungsvolle Landes- und Weltbürger zu werden und hilft ihnen damit die Welt ein bisschen besser zu verlassen.

Mit der Jahresaktion „Natürlich Pfadfinden“ hat die DPSG 2007 und 2008 das Thema Ökologie stärker in den Vordergrund gestellt.

2008

Die Wölflingsstufe lädt zum Bundeslager „MEUTErei 2008 – Wölflinge am Ruder“ nach Westernohe ein – und 2.200 Wölflinge folgen dem Ruf! Die Wölflinge stoßen bei ihrer Entdeckungsreise zu Themen wie „Ferne Länder“, „Gerechtigkeit“, „Mein Land“ und „Meine Umwelt“ vor. Die Kinder können an vielen Stellen mitbestimmen und mitwirken.

Über 1.300 Rover beteiligen sich derweil an dem Roverbundesunternehmen 2008, kurz rbu08. Sie engagieren sich vor Ort und bringen insgesamt 120 Sozialprojekte erfolgreich zu Ende. Während der Auftakt zum rbu08 auf der Insel Ferropolis im Schatten von Braunkohlebaggern beginnt, feiern die Rover den erfolgreichen Abschluss mit einem Chill out später im Bundeszentrum Westernohe.

2010

Auf der Bundesversammlung fällt der Startschuss für die Image- und Fundraising-Kampagne. Unter dem Motto „SCOUTE DICH“ sollen Ehemalige als Unterstützerinnen und Unterstützer gewonnen werden. Treffpunkt für Leiterinnen und Leiter und Ehemalige soll die Online Community Stayscout.de werden. Stayscout selbst ist eine Aktion von Ehemaligen. Auch sonst ist die DPSG jetzt in vielen Sozialen Netzwerken unterwegs, unter anderem auf Facebook, Twitter, Schueler- und StudiVZ, Flickr und YouTube.

 2013

Die Jahresaktion „Smart Scout – schlau im Umgang mit Medien“ widmet sich der zunehmenden Digitalisierung der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen.

1000 Roverinnen und Rover sind im Sommer in ganz Deutschland mit dem Zug unterwegs und treffen sich zu einem gemeinsamen Abschlusslager in Nürnberg.

Quellen:

  • Boehmer, Elleke. “A Chronology of Robert Baden-Powell”. Scouting for Boys: a Handbook for Instruction in Good Citizenship. Baden-Powell of Gilwell, Robert Stephenson Smyth. Oxford, Oxford UP: 2004.

Member of the World Organization of the Scout Movement (WOSM)